temporaere theater berlin,


F 63.9

Ballettstück von Alexey Kononov nach Motiven der antiken Tragödie „Phaedra“
„F 63.9“ ist der Schlüsselcode für „Liebe“ im Krankheitsregister der WHO. „Liebe“ wird darin unter dem Punkt „Abnorme Gewohnheit und Störung der Impulskontrolle, nicht näher bezeichnet“ als behandlungsbedürftige Krankheit eingestuft. Inspiriert von dem psychoanalytischen Konflikt zwischen Körper und Seele, zwischen Bewusstem und Unbewusstem, greift Kononov diese aktuelle Krankheitszuschreibung auf und fragt nach dem Zusammenhang zum Konflikt der Geschlechter, wie ihn beispielsweise Phaedra im antiken Mythos erfahren hat. Ihre unbeantwortete Liebe trieb sie in den Selbstmord. Die WHO definiert „zwanghafte Gedanken an einen anderen Menschen, heftige Stimmungsschwankungen, Selbstmitleid“ als Symptome der Krankheit „Liebe“. Liebe als unbewusste, zerstörerische Kraft – damals wie heute? Oder bedeutet Liebe nicht gerade die Vereinigung zu einem Ganzen, also die Überwindung der Trennung zwischen Körper und Geist?

Alexey Kononow studierte an der Vaganova Ballett Academy St. Petersburg, arbeitete in Russland als Regisseur und Choreograf. Seine Choreografie "Glückliche Tage" am Moskauer Bolschoj Theater erhielt 2004 den begehrten "Benoise de la danse". Er lebt seit 2009 in Berlin, wo er 2011 das "temporaere theater" gegründet hat.
Choreografie / Inszenierung & BühnenbildAlexey Kononov
FotographIvan Kap
KostümeAlexey Sorokin
MusikAlfred Schnittke
TanzAgnieszka Jacym
John Jairo Svensson