Gundula Peuthert, Leipzig

Viva Valeska - Leichen spiele ich besonders gern


Viva Valeska - Leichen spiele ich besonders gern

Tanz-Schauspiel für eine Tänzerin und eine Schauspielerin von Gundula Peuthert über die Tänzerin Valeska Gert

Valeska Gert hatte Zeit ihres Lebens ein besonderes, sehr ambivalentes Verhältnis zum Tod. Da wundert es nicht, dass – wie in letzter Konsequenz – über die Umstände ihres Ablebens nichts bekannt ist, nicht einmal das genaue Datum. Ausgehend von dieser biographischen Besonderheit erfindet das Tanz-Schauspiel »Viva Valeska« Gerts letzten Tag und spielt mit ihrer Begegnung mit dem personifizierten Tod, wie sie vielleicht stattgefunden haben könnte. Hat sie den Tod einfach akzeptiert? Wahrscheinlich nicht. Hat sie ihn in ihrer Lebenslust einfach in Frage gestellt, wie sie immer alles in Frage gestellt hat, was ihr nicht richtig vorkam? Hat sie mit dem Tod gerungen, verhandelt oder gespielt? Valeskas letzte Stunden als fiktive »Rekonstruktion« bringen uns einen besonderen Menschen nahe und spiegeln dabei auch unsere eigenen Befindlichkeiten.
„Viva Valeska“ ist ein Stück über eine großartige Künstlerin, aber gleichzeitig auch als Parabel zu verstehen auf das Verhältnis unserer (westlichen) Gesellschaft zum Sterben – ein Verhältnis, das gleichermaßen von Furcht wie von Faszination geprägt ist. Im Stück geht es aber nicht um eine Betrachtung vermeintlich überholter Ethik-Auffassungen. Es ist auch keine tragisch-fatalistische Abhandlung des Themas »Sterben«. Vielmehr fügen sich der Facettenreichtum, die Exzentrik und die unerschütterliche Authentizität der oft als »Grotesktänzerin« bezeichneten Künstlerin Valeska Gert zu einem bewegenden Appell für das Leben zusammen, zu dem am Ende eben auch der Tod gehört.
Ein Teil des Stückes ist eine Rekonstruktion von Gerts Tanz »Tod«, der wegen seines radikalen Minimalismus’ den (ohnehin schon als revolutionär empfundenen) modernen Tanz der damaligen Zeit nochmals auf eine einzigartige Weise prägte.

Gundula Peuthert studierte Tanz und Choreografie in Leipzig und Berlin. Sie war Tänzerin und Choreografin im Freien Tanztheater Berlin unter der Leitung von Holger Bey und absolvierte ihr 4jähriges Studium für Choreografie/Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Sie war Meisterschülerin an der Palucca-Schule Dresden. Als freischaffende Tänzerin und Choreografin in Berlin arbeitet sie zusammen unter anderem mit Christoph Winkler, Mario Heinemann, Dan Pelleg und Marko E. Weigert (Wee Dance Company), Huub Onzia Derdeyn (B) , Mark Wuest (CH,USA)Ihre bisherigen beruflichen Stationen führten sie nach Berlin, Dresden, New York, Bruges, Leipzig, Plauen, Cottbus und Görlitz. Dort leitete sie die Sparte Tanztheater am Theater Görlitz.In dieser Zeit kreierte sie mehr als 10 abendfüllende Choreographien, unter anderem „ Training der Seele“, „Natürliche Auslese“, „Wir Kassandra“, „Testbild“ und „Stolpern, nicht Stürzen“.Sie organisierte das sehr erfolgreiche internationale TanzArtFestival Görlitz sowie das deutsch- polnische Tanzprojekt Interface I bis V. Seit 2011 ist sie wieder als freischaffende Choreographin tätig und arbeitet unter anderem als Gastchoreographin am Staatstheater Cottbus für das Schauspiel „Die Orestie“ und am Theater Bielefeld für das Schauspiel „Kabale und Liebe“ unter der Regie von Christian Schlüter.
Bühnenbild / KostümeNicole Lorenz
ChoreografieGundula Peuthert
Dramaturgie / TexteAndreas Vent-Schmidt
TodMilena Gürtler
Valeleska GertIngrid Borchardt