Anna Melnikova, Moskau/Berlin

Ich sage, dass es (m)ein russischer Abend ist


„Pljaska- Tanz ist die Muskelfreude, die das Blut zum Kochen bringt.“ (Igor Moiseev)
Am 10. Februar 1937, mit dem Einverständnis von Josef Stalin, findet in Moskau die erste Probe des ersten staatlichen akademischen Ensembles des Volkstanzes statt. Der Leiter und Choreograph des Ensembles Igor Moisseev entwickelte eine eigenartige Methode, die den hemmungslosen, originalen Volkstanz in eine akademische Tanzform verpackt hat. Absolute Synchronität einer Massenchoreographie, spektakuläre Rhythmen und starke Oberschenkel bildeten die offensichtliche Faszination des Tanzes.
1937: Massenchoreographie versus Massenrepressionen.
Das Geheimnis des Pljaska- Tanzes steckt jedoch nicht in der äußerlichen Perfektion. Die „rätselhafte russische Seele“, die bekanntlich nach Weite und Chaos verlangt, wurde im Laufe der Geschichte in diverse Formen und Systeme hineingepresst: der akademische Volkstanz ist nur eine davon. Aber nicht diesen disziplinierten Körper, sondern diese ungezähmte Seele lässt Pljaska tanzen. Bis zum heutigen Tage.
Im Solo „ich sage, dass es (m)ein russischer Abend ist“ setzt sich Anna Melnikova mit den Ästhetiken ihrer beiden Tanzausbildungen auseinander: dem sozialistischen Volkstanz in Moskau und der zeitgenössischen Choreographie in Berlin. Ihre Kindheitserinnerungen und aktuellen Eindrücke setzt sie in Wort, Bild und Bewegung auf einer traditionellen Holzbühne um. Dabei wird spürbar, wie ein politisches System den Tanzkörper und der Tanzkörper wiederum den Geist prägt.
BühneWerner Wallner
Choreographie, Text, Video, PerformanceAnna Melnikova
KostümFriederike Donath
Mariya Yordanova
MusikDr. Bajan
Public relationsDoreen Markert – enthusiastic encounters
SounddesignClaude Chassevent